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Johann Matthias Ranftl

(18041854) 

Johann Matthias Ranftl, geboren am 20. Jänner 1804 in Wien-Wieden, gestorben am 1. November 1854 ebenda, war Genremaler des Wiener Biedermeier und unter dem Beinamen „Hunde-Raffael“ bekannt. Er studierte ab 1817 an der Wiener Akademie bei Johann Baptist Lampi d. Ä., Anton Petter und Johann Peter Krafft, hielt sich 1826–1828 in Russland auf (Porträts am Hof, Illustrationen zu Puschkins „Eugen Onegin“) und wandte sich nach einer folgenreichen London Reise 1836, bei der er Edwin Landseer kennenlernte, verstärkt der Tier- und Genremalerei zu. Seine humorvollen und bisweilen sozialkritischen Szenen – Kinder, Hunde, ländliches Leben, Wiener Lokalkolorit – stehen stilistisch zwischen Krafft, Fendi und Waldmüller. 1849 wurde er ordentliches Mitglied der Wiener Akademie. In seinen letzten Lebensjahren erfand er ein galvanographisches Druckverfahren. Werke befinden sich im Belvedere Wien (9 Werke), im Wien Museum (umfangreicher Bestand) und im Museum Niederösterreich. 

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Forschung

Forschungsstand: Ranftl ist gravierend untererforscht. Es existieren weder eine Monografie noch ein Werkverzeichnis. Die Literatur beschränkt sich auf lexikalische Einträge des 19. Jahrhunderts – der umfangreichste stammt von Constantin von Wurzbach („Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich“, 1872) – sowie auf knappe Erwähnungen in Überblickswerken zum Wiener Biedermeier (Frodl 1987; Hevesi 1903). Der Bestandskatalog der Österreichischen Galerie Belvedere (Bd. 3, 1998) enthält die Werkeinträge zum Belvedere-Bestand. Ranftl war in Gruppenausstellungen vertreten, etwa in „Ist das Biedermeier?“ (Unteres Belvedere, 2016/17). 

Forschungslücken: Nahezu alles an Ranftls Œuvre ist unerforscht: Der Gesamtumfang des Werks ist unbekannt. Der Russland-Aufenthalt 1826–28 mit den Puschkin-Illustrationen ist kunsthistorisch nicht aufgearbeitet. Die Tierdarstellungen sind im Kontext der interdisziplinären Human-Animal Studies ein vielversprechendes, aber unerschlossenes Feld. Das „Ranftlsche Verfahren“ (Galvanographie) harrt einer technikhistorischen Untersuchung. Auch Provenienzfragen einzelner Werke bedürfen systematischer Klärung.

Forschungsdesiderate: Ranftl wäre ein idealer Gegenstand für eine umfassende Publikation mit begleitendem Werkverzeichnis. Dringend wünschenswert sind ferner eine Studie zum Einfluss Landseers, eine Untersuchung der Hundedarstellungen im kulturhistorischen Kontext, eine Aufarbeitung der russischen Episode sowie eine vergleichende Analyse im Spektrum der Wiener Biedermeier-Genremalerei (Danhauser, Fendi, Waldmüller). Eine erste museale Einzelausstellung wäre ein wichtiger Impuls für die Forschung.

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